Donnerstag, 17.07.2014

Das letzte Mal...

So meine Lieben es ist soweit:

Hier kommt mein letzter Blogeintrag aus Ecuador. 

Ich möchte euch gar nicht so viel über meine letzten Wochen hier erzählen, denn ich will euch ja auch noch etwas berichten, wenn ich wieder in Deutschland bin. 

Jetzt sind es wirklich nur noch 10 Tage bis ich fliege. Ich habe meine Abschiedsfeiern geplant, meine Abschiedsgeschenke sind in Vorbereitung und ich weiß sogar wie ich zum Flughafen komme. 

Dieses Jahr ist das beste Beispiel dafür, wie wenig 365 Tage sind und wie schnell 12 Monate vorbei gehen! Ich weiß noch sehr gut wie ich mich von all meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland verabschiedet habe. Und jetzt? Heißt es wieder Abschied nehmen, aber auf unbestimmte Zeit. 

Ich weiß, dass ich eines Tages zurückkommen werde und sicherlich nicht nur einmal. Aber trotzdem weiß ich ja noch nicht genau wann und das macht den Abschied schwieriger.

Aber es wird auch mal wieder Zeit für Deutschland. Es wird Zeit für ein Kakerlaken freies Haus. Meine Mitbewohner, eine Kakerlaken Großfamilie, zeigt sich mir als Zeichen des Abschieds nun besonders oft und ich kann sie langsam nicht mehr sehen. Ich habe mich ein Jahr mit ihnen abgefunden, aber jetzt da das Ende naht, scheint es mir unerträglich. Liebe Kakerlaken: Ihr hattet ein Jahr Zeit meine Freunde zu werden und habt es eindeutig nicht geschafft. Meinem zweiten besten Freund dem Feuchtigkeitsschimmel möchte ich jetzt nun auch die Freundschaft kündigen und hoffe, dass er in Deutschland mich und meine Sachen in Ruhe lässt. Außerdem freue ich mich schon so sehr auf Mamas (gesundes) Essen! Aber natürlich viel wichtiger als ein Kakerlaken und Schimmel freies Leben sind meine Freunde und Familie, denn es wird einfach mal wieder Zeit, dass ich euch wieder sehe!
Ihr seht also mein innerliches Ich ist gespalten. Es trauert zutiefst um all die lieben Menschen und Gewohnheiten, die ich zurücklassen werde, um mein ecuadorianisches Leben, dass ich aufgeben und so wohl nie wieder haben werde und es freut sich auf das neue Unbekannte und Altbekannte. 

Im Moment kann ich auch noch kein großes Fazit ziehen, denn dazu brauche ich erstmal Zeit zum Nachdenken und auch ein wenig Abstand. Mir wird außerdem wahrscheinlich erst in Deutschland so einiges klar und bewusst werden. Inwieweit habe ich mich verändert? Inwieweit ist Deutschland gleich geblieben oder hat sich verändert? All das sind noch unbeantwortete Fragen.

Ich möchte mich bei euch bedanken, möchte mich dafür bedanken, dass ihr ein Jahr meine hoffentlich spannenden Berichte gelesen habt, mich unterstützt habt und an meinem freiwilligen sozialen Jahr in dieser Art und Weise teilgenommen habt. 
Ich hoffe, dass ihr meine Beiträge genossen habt und ich euch nicht zu sehr von meinem ereignisreichen Leben in Ecuador gelangweilt habe. ;)

Und nun sage ich: Bis Bald! Und das stimmt sogar wirklich. 

Ein letztes Mal: Ganz liebe Grüße!

Katharina

Sonntag, 29.06.2014

Momente

20.06.2014:

Das letzte Seminar von meiner Organisation in Ecuador ist heute zu Ende gegangen. Viele meiner Mitfreiwilligen sehe ich heute zum letzten Mal in Ecuador und vielleicht auch zum letzten Mal in meinem Leben? Bei meinen Freunden ist es zum Glück nur ein Abschied auf Zeit. Wir haben uns nämlich alle für das gleiche Nachbereitungsseminar in Deutschland angemeldet, um uns dort auf jeden Fall wiederzusehen. 
Das Thema "Abschied nehmen" war wohl der Hauptpunkt des Seminars und mich hat das traurig gestimmt. Mir wurde das Gefühl gegeben, dass ich nun wirklich keine Zeit mehr in Ecuador habe und ich nun die Abschiedsfeiern in meinen Schulen und Familie planen sollte. Dabei habe ich noch mehr als einen Monat!! Nichts destotrotz, sollte der Abschied gut geplant sein. Speziell von meinen Kindern in meinen Schulen, damit sie die Chance haben sich verabschieden, die Situation verstehen und verarbeiten zu können. Das stimmt mich irgendwie sentimental. Ich will keinen Tag länger mehr Lehrerin sein, denn das ist einfach nicht mein Ding. Ich werde es dennoch schrecklich vermissen, ich werde meine kleinen Schüler mit ihren alltäglichen Problemen vermissen und die Profe de Ingles zu sein. 
Ich bin mir bewusst, dass der Abschied von den Menschen hier schwerer wird als vor einem Jahr von meinen Liebsten in Deutschland. Ich weiß nämlich nicht, ob ich diese Menschen jemals wieder sehen werde und wenn ja, wann? 

25.06.2014:

Das wohl letzte Spiel Ecuadors in dieser WM. Der Präsident Ecuadors hat dem öffentlichen Sektor für den Nachmittag frei gegeben, um das Spiel zu sehen. Ecuador gegen Frankreich. Eine harte Nummer. 
Eine halbe Stunde vor dem Spiel: STROMAUSFALL !! Eine reine Katastrophe, denn Stromausfall bedeutet hier eigentlich immer, dass es im ganzen Cantón (Landkreis) keinen Strom mehr gibt. Wie können denn jetzt nur alle Fußballverrückten DAS Spiel schauen? In Los Bancos gibt es glücklicherweise ein paar Leute, die vorgesorgt und Generatoren haben. Schnell wird also alles aufgebaut und solange der Platz reicht, quetschen sich die Leute vor die Fernseher. Ich ende mit meiner Gastfamilie in der Diskothek in Los Bancos, wo ich das Spiel in einem stickigen, dunklen Raum mitverfolgen kann auf einem Beamer mit Überraschungseffekt. Er geht nämlich gerne mal bei Torchancen oder anderen spannenden Momenten aus. Aber immerhin durfte ich das Spiel mitverfolgen. 
Der Strom bleibt weg und auch am folgenden Tag dürfen wir das Leben ohne Strom weiter genießen. Irgendwie ist das aber auch ganz schön ohne Strom. Meine Familie und ich setzen uns abends um die Kerzen, die ich noch aus dem Weihnachtspaket (kam 3 Monate zu spät an) von meiner Großmutter rausgekramt habe, und erzählten uns Geschichten von früher. Natürlich gingen wir auch früher ins Bett, denn es wurde schließlich stockdunkel so ohne Strom und die Müdigkeit siegte am Ende schließlich. 

26.06.2014: 
Heute durfte ich sage und schreibe 50 Minuten arbeiten, denn ich musste ja rechtzeitig zum Fußballspiel Deutschland:USA kommen!! Glücklicherweise konnten wir in einem Schuhladen in Los Bancos vor einem Fernseher schauen, da dieser einen Generator hatte und uns behilflich sein konnte. 

27.06.2014:
LICHT! Wir haben wieder LICHT! Während meine gesamte Gastfamilie heute Nacht um 3:15 von dem plötzlich laufendem Fernseher und der Waschmaschine sowie dem hell erleuchteten Haus geweckt wurde, schlief ich natürlich munter weiter und merkte überhaupt nichts davon. Am nächsten Morgen wurde ich dafür freudig überrascht. 

28.06.2014:
Nach einem spannenden und vor allem nervenaufreibenden Achtefinalspiel mache ich mich schließlich auf nach San Pedro, in das Dorf von Basti. Dort sind nämlich dieses Wochenende Fiestas, zu Ehrung von Pedro, dem Namensgeber des Dorfes. Abends wird getanzt und getrunken und ich lasse mich von der südamerikanischen Musik berauschen, übe mich im Tanzen und bin ganz emotional. Eigentlich mag ich es nicht, dass man auf solchen Veranstaltungen immer nur mit einem Partner tanzen kann, aber heute lasse ich mich drauf ein und es macht wirklich tierisch Spaß. Während meinen "hochprofessionellen" Tanzeinlagen, denke ich über mein Jahr hier nach, über das baldige Ende und die ecuadorianische Kultur. Ich glaube, dass ich noch nie in meinem Leben so bewusst gelebt habe. Mein Leben hier war von Anfang an begrenzt und das hat so viele Momente so Besonders gemacht, weil ich wusste: Am 26.07.2014 wird das zu Ende sein. Ich werde ins Flugzeug steigen und einen Tag später auf deutschem Boden stehen. Mein Leben hier beendet und zurückgelassen. Ich werde aber auch mit einem Haufen an Erfahrungen, Erlebnissen und Erinnerungen zurückkommen, die mir niemand wegnehmen kann und die mich geprägt haben. Unbewusst aber teilweise auch sehr bewusst durfte ich das miterleben. Ich werde meine ecuadorianische Familie zurücklassen, aber ich werde sie nicht vergessen. Und eines Tages werde ich wieder in dem Haus meiner Abuelitos stehen, am Tisch sitzend Hühnchen mit Reis essen und mich darüber freuen, dass ich es geschafft habe sie zu besuchen. 

 

Für die nächsten Wochen habe ich noch einiges geplant bzw. steht noch einiges auf dem Programm. Nächstes Wochenende fahre ich mit Karo, Lisa, Anna und Basti nach Montanita, ein letztes Mal an den Strand. Am Wochenende darauf ist ja das WM- Finale und es beginnen die Fiestas von Los Bancos, die ganz groß gefeiert werden sollen und wo sich schon jeder darauf freut. Dann kommen noch die Abschiedsfeiern in meinen Schulen, mit meiner einen Schule will ich noch einen Wandertag machen und schließlich die Abschiedsfeier von meiner Familie. Da freue ich mich aber eigentlich schon total drauf, weil alle kommen werden und wir sicherlich ganz ganz viel Spaß haben werden. 

Ich werde euch auf jeden Fall noch einmal von hier berichten. 

Ganz bald sehen wir uns wieder. In 28 Tagen bin ich in Deutschland. Der Countdown läuft.

Mittwoch, 18.06.2014

Von Minihochzeiten und der WM in Ecuador

Heute möchte ich euch über die wichtigsten Ereignisse der letzten zwei Wochen Berichten: Der politische Tag, Erstkommunion meines Gastneffens, dem 15. Geburtstag meiner ehemaligen Gastschwester und natürlich: Der Weltmeisterschaft!


Vor 2 Wochen wurde für interessierte Freiwillige ein politischer Tag organisiert. Das bedeutete für uns: Wir hatten einen Tag lang die Möglichkeit alle möglichen Fragen über die ecuadorianische Regierung und der Politik des Präsidentin sowie seiner „Revolucción Ciudana“ (städtische Revolution) zu stellen. Das war wirklich unglaublich interessant, denn nun kann ich endlich genau verstehen, wie es zur heutigen Situation kam, was das Gute und Schlechte an Rafael Correas Politik ist. 
Zum Beispiel hat er zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2008 dafür gesorgt, dass Behörden und Verwaltung gestärkt und vor allem „geordnet“ wurden. Das heißt, dass man auch ohne irgendwelche Kontakte an Ausweise und Bescheinigungen kommen konnte. Zusätzlich hat er veranlasst, dass nach langer Zeit auch wirklich jeder die Steuern zahlt. Dadurch hat der ecuadorianische Staat eine zweite Einnahmequelle bekommen. Die Zweitwichtigste! 
Allerdings wurden uns auch die schlechten Seiten verdeutlicht. Mit der Regierung der 35 (Regierungspartei) kam auch eine neue Verfassung. Und die hat ihre Lücken oder wird auch gerne mal von Raffael Correa bei Belieben geändert bzw. elegant umgangen. Zusätzlich gibt es nun mehr in Ecuador, sondern 5 verschiedene Gewalten. Unter anderem nämlich noch die Wahlkommission, von der aber keiner so Recht weiß, was sie jetzt wirklich macht und wie effektiv sie ist.

Davon abgesehen bestimmt Correa selbst die Richter des Strafgerichtshofes usw. Der Justizapparat arbeitet nun effizienter, aber demokratischer?
Da die Partei Correas 75% des Parlaments besetzt, regiert er eigentlich alleine. 
Ein weiteres Problem ist, dass die Oppositionsparteien unter einander zerstritten sind und sich nicht vereinen um geschlossen zusammen zu arbeiten.

Raffael Correa hat einen autoritären Führungsstil, sorgt für viele gute Dinge, aber genauso auch für die Demokratie gefährdenden Dinge.

 

Am darauffolgenden Tag war die Erstkommunion von Joshua, dem Sohn von Juanita, meiner Gastschwester. Meine gesamte Gastfamilie kam also nach Quito, um das zu feiern. Die Zeremonie in der Kirche war „typisch ecuadorianisch“ würde ich sagen: Ein bisschen unorganisiert, aber durchaus interessant und fröhlich. Danach feierten wir im Haus von Juanita und abends bin ich mit Jorge zusammen zu Mary, meiner anderen Gastschwester, gefahren, um das neue Haus kennenzulernen und am nächsten Tag den Antisana, einen Vulkan, und den angeschlossenen Nationalpark mit Lagune zu besuchen.

  Mary, Fabiancito und ich Familia Uns ist nur ein bisschen kalt!

Letzten Samstag war der 15. Geburtstag meiner ehemaligen Gastschwester. Für die Mädchen in Ecuador ist der 15. Geburtstag der wohl Wichtigste im ganzen Leben. Denn an diesem Tag wird man vom Mädchen zur Frau. Man darf sich hohe Schuhe anziehen, schminken usw. Diesen besonderen Tag kann man mit seiner Familie und Freunden feiern oder ein riesiges und zwar riesiges Fest machen. Die Familie von Daniela hat sich für Zweiteres entschieden. Die „Fiesta rosada“ (rosanes Fest) erinnerte mich an einen Super Sweet 16 oder auch an eine Minihochzeit in Pink.

Es wurden 500 Leute eingeladen (von denen vielleicht die Hälfte kamen), Zelte mit Tischen und Stühlen (natürlich alles in Pink) aufgebaut. Vor der Feier wurde eine Messe in der Kirche abgehalten und danach eine zweistündige Zeremonie durchgeführt. Karo, Kira, Lisa, Anna und ich warteten nur das Essen ab. Wir warteten, warteten und warteten. Bis 1 Uhr nachts. 
Die Zeremonie beginn damit, dass die 15 Damas und 15 Caballeros, so etwas wie Brautjungfern/ Trauzeugen bei einer Hochzeit sind. Die Quinceanera wird von ihrem Vater begleitet und in einer feierlichen Zeremonie legt sie ihre Ballerinas ab und zieht die hohen Schuhe an. Ihre Patentante schminkt sie und die Mutter setzt ihr letzten Endes die Krone auf. Ganz wie es sich bei einer Prinzessinnenhochzeit gehört. Ach nein, bei einem 15. Geburtstag.

Naja, es wurden dann noch Tänze vorgeführt und Reden gehalten und nach dem nächtlichen Nachmittagssnack dann auch endlich einmal getanzt.

Für uns war das natürlich total interessant, aber ich habe mich schon gefragt, ob so eine große Feier wirklich nötig sei, auch in Anbetracht der anfallenden Kosten. Aber das sei dahin gestellt. Genauere Details zur Fiesta gibt es dann, wenn ich wieder in Deutschland bin, das ist ja bald!

  In der Kirche Bienvenidos- Herzlich Willkommen! Der dezente Kuchen Daniela und ich Ein Beispiel für die Damas Alle zusammen Das Geburtstagskind

Nun aber natürlich zum allerwichtigsten Thema für den nächsten Monat: Die Weltmeisterschaft in Brasilien.

Da kann ich gleich schon mal vornweg nehmen: Die Ecuadorianer sind genauso ein Fußballverrücktes Volk wie die Deutschen. Mein Abuelito schaut ab 11:00 Uhr Morgens Fußball und dabei ist es egal ob es Südkorea gegen Russland oder Brasilien gegen Mexico ist. Am Sonntag saß selbstverständlich alle Welt vor dem Fernseher und schauten gebannt zu wie Ecuador gegen die Schweiz kämpfte und in der letzten Minute doch noch verlor. Die Stimmung war danach natürlich ein bisschen gedämpft, aber das hielt glücklicherweise nicht lange.

Ich habe mir mit ein paar anderen Freiwilligen die WM zusätzlich versüßt, denn wir wetten mit einem Wetteinsatz von 5€ pro Person alle Spiele. Dadurch wird auch wirklich jedes Spiel spannend. Allerdings wäre es natürlich schöner, wenn ich bei den deutschen Spielen in Deutschland wäre. Über die Stimmung in Deutschland während einer WM, vor allem bei Deutschlandspielen geht einfach nichts.

  Ya nos vamos a mundial!!

Und so verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal! 

P.S: Es sind nur noch 39 Tage in Ecuador. Das ist ganz schön wenig!

Mittwoch, 21.05.2014

Besser spät als nie!

Besser spät als nie!

 

Lange ist es her, aber nun kommt endlich der nächste Blogeintrag!

 

Mittlerweile ist mal wieder viel passiert und ich fange ganz von vorne an..

 

Besuch:

 

Am Karfreitag kam meine Schwester Christina in Quito am Flughafen an. Am nächsten Tag machten wir uns gemütlich zu meiner Gastfamilie auf. Da Ostern war, war meine ganze Gastfamilie bei mir Zuhause versammelt und meine Schwester hatte die Chance bis auf einige Ausnahmen meine gesamte ecuadorianische Familie kennenzulernen! Meine Familie freute sich auch schon tagelang darauf meine Schwester und somit ein weiteren Teil meiner Familie kennenzulernen. Mittlerweile gewohnt davon, dass mein Besuch kein Spanisch kann, plapperten sie trotzdem munter drauf los und ich versuchte soviel wie möglich zu übersetzen. Wir verbrachten den Tag auf der Finca und somit viel Zeit mit meiner Familie.

Abends wurde wild gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Vom Tanzen schmerzten noch die Beine, aber das machte nichts, denn am nächsten Morgen ging ich mit Christina zu den Kühen: Melken stand schließlich an! Meine Schwester bemühte sich und schaffte sogar ein paar Liter Milch zu melken, die wir dann genüsslich beim Frühstück schlürften!

Christina beim Melken Ein Teil meiner Gastfamilie! Die Frauen beim Reden zusammen :) Jared- nächstes neues Familienmitglied wird bewundert!

Abends ging es auf nach Tena, eine Stadt im Südosten Ecuadors und am Rande des Dschungels. Dort verbrachten wir ein paar Tage lernten die Umgebung kennen und besuchten eine Tierauffangstation bevor wir uns der hohen Luftfeuchtigkeit entziehen und die Schönheit Quitos entdecken konnten.
Ich habe Christina schon von Anfang an gesagt, dass das kein Urlaub im eigentlichen Sinne wird- also ging es dann samstags auf den Cotopaxi, auf 5000 Meter! Mit den guten Seitenbacher Energieriegeln schafften wir es wirklich auf 5000 Meter und berührten den Gletscher. Der Aufstieg war zwar super anstrengend, aber für dieses einzigartige Gefühl hat es sich auf jeden Fall gelohnt!
Einen Tag später lagen wir am Strand.

Ein Urlaub der Gegensätze könnte man so sagen.

Auf 5000 Meter! Im Gletscher :) Es fehlt nicht mehr viel... Ich vor dem Cotopaxi

Am Strand verlor Christina dann auch mal ihre Bleichheit im Gesicht und Gott sei Dank sah sie nicht mehr krank aus! Euch in Deutschland hat eindeutig die Sonne gefehlt.

Abschließend schauten wir uns noch Cuenca an. Eine der schönsten Städte Ecuadors mit einzigartiger Natur in der Umgebung.

In Cuenca werden auch die klassischen Panamahüte produziert. Um euch auch mal aufzuklären: Der Panamahut kommt nämlich gar nicht aus Panama, sondern wird in Ecuador produziert und zwar NUR in Ecuador.
Ein früherer Präsident der USA, mir ist leider der Name entfallen, hatte auf seiner Südamerikareise in Panama einen Hut auf. Das Bild ging um die Welt und der Hut hatte einen Namen: Panamahut.

Wie dem auch sei, Christina und ich besuchten eine Sombrerofabrik und kauften uns jeweils einen schönen Hut. Davor hatten wir aber noch die Chance zu sehen und zu lernen wie so ein Panamahut entsteht und das ist ganz schön viel Arbeit!

Im Nationalpark Zusammen :) Mit unseren neuen Panamahüten! 

Am Ende hieß es dann Abschied nehmen, aber das war nicht so schlimm, denn bald sehen wir uns ja wieder und wir hatten eine sehr schöne Zeit. Und dann heißt es wieder: #schwesternreunion

Zusammen über den Dächern Quitos 

 

 

Schulanfang:

 

Meine Schwester war wieder in Deutschland und auch hier sollte nun die Schule wieder beginnen und somit auch ein neues Schuljahr.

Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erzählt habe, aber zur Sicherheit erkläre ich es einfach noch einmal, denn in Ecuador hat die Costaregion die großen „Sommerferien“ im März und April, also 2 Monate am Stück und im Mai beginnt das neue Schuljahr, während die Sierra und der Oriente bis Juli Schule haben und dann Juli und und August Ferien. Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Im März und April regnet es in meiner Region relativ stark und somit haben sie in der Zeit Ferien, da früher schätze ich mal, die Schulwege sonst sehr beschwerlich waren. So ganz verstehen tue ich das aber eigentlich nicht.

Zurück zu den ersten Wochen in meinen beiden Schulen.

Hier wurde mir mal wieder bewusst, dass manches in Ecuador einfach anders läuft.  Mittlerweile sind nämlich seit 3 Wochen die Kinder schon wieder in der Schule, aber einige sind immer noch nicht gekommen und Lehrer fehlen auch noch. Anstatt das nämlich alles in den Ferien zu organisieren, wird das jetzt erst gemacht, da die Schulen erst am Schulanfang wussten, wie viele Kinder denn kommen werden. Das ist natürlich auch unterschiedlich, ob es sich um kleine oder um größere Schulen handelt, aber ich empfinde es zumindest in meiner einen Schule als ein riesiges Chaos und frage mich, wann ich denn nun endlich mal anfangen kann richtig zu unterrichten. Wann kaufen die Eltern ihren Kindern die Schulmaterialien? Wie ist mein Stundenplan? Wie viele Kinder sind in einer Klasse? Fragen über Fragen, die erstmal unbeantwortet bleiben werden.
Ansonsten kann ich sagen, dass ich zumindest in meiner Schule im Dorf noch einmal richtig motiviert bin für die letzten beiden Monate. Die Aussicht, dass das Ende in diesem Bezug naht, motiviert mich, denn ich möchte noch ein paar meiner Ideen umsetzen.  Auch die Kinder sind in Saloya motiviert, machen ihre Hausaufgaben und hören zu. Die Profe in der Schule ist nun auch organisierter und ich weiß, dass sie auf meine Unterstützung baut. Denn 5 verschiedene Jahrgangsstufen auf einmal zu unterrichten von der 1. bis zur 7. Klasse ist einfach eine Herausforderung. Vor allem die 1. Klässler lernen ja jetzt erst lesen und schreiben und benötigen die Aufmerksamkeit der Lehrerin, die dem aber gar nicht gerecht werden kann.

Ich kann nun auch endlich Sport unterrichten und das macht wirklich unglaublich Spaß. Von Fischer, Fischer wie tief ist das Wasser bis Brennball und Hindernisparcours ist alles dabei und es macht allen großen Spaß.

Am Nachmittag helfe ich der Karo bei ihrem Spielenachmittag in ihrer Comunidad. Da sie kein Sport unterrichtet, hat sie einen Spielenachmittag für die Kinder organisiert. Da ich Nachmittags sonst nichts Besseres zu tun habe, helfe ich ihr.

Ich kann nämlich den Schülern vom Colegio, also der weiterführenden Schule, keine Nachilfe mehr geben, da sie nun von 13:00 Uhr bis 19:30 Unterricht haben.
Mittwochs arbeite ich nun in Mindo und helfe zwei Freiwilligen, die in einem anderen Projekt sind. Allerdings planen Karo und ich einen sogenannten Hygienetag für die Schulen. Wir wollen mit den Kindern Zähne putzen üben und ihnen spielerisch ein Bewusstsein für Ernährung usw. geben.

 

 

Parque Infantil:

 

Unser großes Projekt „Disneyland Bambu“ haben wir in den Ferien abgeschlossen. Wie ich schon ein paar Mal erwähnt habe, haben Basti, Karo, Lisa, Anna und ich in der Schule von Anna selbstständig einen Spielplatz aus Bambu gebaut.

Januar und Februar haben wir die Spielgeräte geplant uns mit Bambus auseinandergesetzt, denn man muss damit anders arbeiten als mit Holz. Wir wollten sicher gehen, dass unser Spielplatz auch keine großen Gefahren darstellt und planten monatelang und verzweifelten auch ab und zu dabei. Al final, haben wir es aber geschafft: Innerhalb von eineinhalb Monaten haben wir den Spielplatz mit all seinen Geräten vollendet und ich bin persönlich schon stolz darauf, dass wir das geschafft haben.

Hier sind ein paar Fotos:

 

Nachdem meine Schwester zurückgefahren ist, bin ich nicht mehr gereist, sondern habe lieber Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Vorletztes Wochenende war ja auch Muttertag und der wurde natürlich groß gefeiert. 7 Hühner wurden für die Suppe geschlachtet und 5 für gegrilltes Huhn- nur um euch mal eine kleine Vorstellung des Festmahls zu geben.

 

Dieses Wochenende fahre ich nach Quito, um Kira, eine gute Freundin, zu besuchen und mit ihr zusammen noch einmal ein paar verstecktere Ecken Quitos zu erkunden. Die nächsten Wochenenden bin ich dann wieder Zuhause und genieße die Zeit mit meiner Gastfamilie und schaue, was wir noch so alles machen werden.

Tja, und bald sind es wirklich nur noch 2 Monate in Ecuador. Ich wurde in letzter Zeit viel gefragt, ob ich mich denn nun schon wieder auf Deutschland freue oder eher nicht. Die Antwort: Jein. Denn ich lasse nun mal mein Leben hier zurück, dass ihr mir selbst durch harte Arbeit aufgebaut habe. Ich lasse meine ecuadorianische Familie zurück, im Wissen, dass ich sie in den nächsten Jahren bis zu meinem Besuch wohl nicht mehr wiedersehen werde. Und in dem Wissen, dass ich wieder ein Leben hinter mir lasse, in das ich nicht mehr zurückkehren kann/werde.

Andererseits freue ich mich natürlich auch unglaublich auf meine Familie, auf meine Freunde und auf all das, was in Deutschland auf mich wartet. Ich freue mich aufs Studium, aufs Arbeiten und auf all die Dinge, die mir passieren werden.

Weiter freue ich mich darauf, mein Heimatland mit neuen Augen, einer anderen Sicht zu entdecken und zu erleben, die positiven wie die negativen Seiten zu erkennen und sich mit diesen auseinanderzusetzen.

Ich freue mich darauf, meine Freunde, die ich hier kennengelernt habe, in Deutschland wieder zu treffen und neue Leute kennenzulernen.

Aber wenn ich ehrlich bin, dann denke ich da gar nicht so viel drüber nach, sondern genieße meine Zeit hier. Warum sich denn jetzt schon Gedanken über ein Ereignis machen, dass in 2 Monaten statt findet und von dem ich sowieso nicht weiß wie es dann nun mal sein wird?

 

¡Viva la tranquilidad!

 

Und bis dahin: Wünsche ich euch alles Gute und schicke sonnige Grüße nach Deutschland!




Freitag, 18.04.2014

Die kälteste Nacht unseres Lebens und endlich am Strand!

So ihr Lieben,

 

nun möchte ich euch noch von dem Rest unserer Reise erzählen. In ein paar Stunden fahre ich nämlich zum Flughafen und hole meine Schwester ab, da komm ich ja gar nicht mehr hinterher mit dem Erzählen und Berichten!

 

Nach unserem kleinen Dschungeltrip schickte ich Lisa und mich auf 3500 Meter Höhe. Nämlich nach Quilotoa einem kleinen Örtchen in den Wolken, in dem wirklich nichts ist außer ein riesiger wunderschöner Kratersee. 
Lisa und ich waren auch ziemlich begeistert von diesem Wahnsinnsausblick, wäre es nur nicht so schrecklich kalt gewesen! 
Nichtsdestosotrotz stiegen wir zum Kratersee herab, genossen den Anblick des türkisblauen,übrigens salzigem Wasser, welches unsere Wehmut nach dem Meer nur verschlimmerte und stiegen dann wieder hoch zu unserem gemütlichen Hostal. 
Das Hostal war sehr gemütlich, wir aßen am Ofen gemeinsam mit der Familie und wärmten uns gegenseitig. In unserem Zimmer brannte abends ein Ofen, der uns ein bisschen vor der Kälte schützen sollte und Lisa und ich mummelten uns in unsere 7! Decken. 
Am nächsten Morgen wachten wir trotzdem mit höllischen Schmerzen in den Lungen auf. Da machte uns Kälte und Luft wohl doch einen Strich durch die Rechnung. 

Aber hier mal ein paar Fotos zum Staunen:

 

Danach ging es für uns zu meiner Gastfamilie auf eine humane Höhe und in wesentlich angenehmeren Temperaturen! 
Ich zeige Lisa also nun mein Haus, meine Gastfamilie, mein Leben hier in Ecuador. Ein bisschen komisch war das schon, denn auf einmal saß sie mit meinen Abuelitas und Arita an einem Tisch, aber das sind auch Erinnerungen, die mich immer wieder zum Lächeln bringen.
Abends wurde noch der Geburtstag von meinem Abuelito gefeiert und am nächsten Tag ging es für uns nach Mindo. Dort machten wir zusammen Canoying, d.h sich an Wasserfällen abseilen! Das hat ziemlich Spaß gemacht, wenn man den Dreh raus hatte! 
Nach der kleinen Abenteueraktion lernte Lisa noch wie man Empanadas macht, was gut ist, denn so habe ich eine Hilfe in Deutschland. 

Lisa mit Paulito

Freitag ging es dann auch schon wieder weiter nach Quito, dann nach Otavalo, damit Lisa sich auch schön mit Souvenirs eindecken konnte und dann endlich, endlich an den Strand!! 
Mit Lukas und Joshua, die wir in Otavalo wieder getroffen haben, verbrachten wir eine Woche in der heißen Sonne Ecuador und genossen einfach nur das Leben. Von Mompiche im Norden ging es runter in den Süden nach Puerto Lopez und dann nach Montañita.
Den letzten Tag verbrachten wir noch in Cuenca, wobei Cuenca uns wirklich nicht überzeugt hatte, denn Sonntags ist da einfach nichts los. Aber mit meiner Schwester fahre ich nochmal hin und gebe dieser Stadt eine zweite Chance! 

Mompiche- leider keine Sonne Lisi und ich
Tja, ihr Lieben, das wars jetzt einmal von mir.. Eine kleine Kurzfassung unserer Reise, aber da ich ja schon in 99!! Tagen wiederkomme, habe ich da bestimmt nochmal die Gelegenheit Details zu erzählen, die so geschrieben einfach gar nicht so spannend sind.

 

Die nächsten 2 Wochen bin ich mit Christina unterwegs. Mit ihr fahre ich auch nochmal an einen anderen Ort im Dschungel, wir erkunden gemütlich Quito bevor wir samstags den Cotopaxi erklimmen wollen! Danach geht es auch mit ihr an den Strand, Sonne genießen bevor wir abschließend noch nach Cuenca fahren und die Spuren der Inkas verfolgen. 
Dann sind auch bei mir die Ferien zu Ende, es ist einfach der Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht, die Schule beginnt wieder und da muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich noch nicht weiß, ob ich mich freuen soll- aber letzten Endes bleibt mir gar nichts übrig!

Ich mus euch auch noch von unserem Spielplatz erzählen, der endlich fertig gebaut ist, aber das an einem anderen Tag. 

Liebe Grüße schickt der ecuadorianische Osterhase,

 

Katharina

P.S Meine Gastschwester Annabella hat mich gefragt, warum eigentlich ein Hase die Eier legt und kein Huhn. Hat jemand die Erklärung? 

Montag, 14.04.2014

Irgendwo im Nirgendwo, wo die Straßen Flüsse und die Autos Kanus sind

Ja, genau! Ich rede vom Dschungel.

Dschungel, da kommen mir sofort Bilder aus dem Dschungelbuch in den Kopf oder von einem an einer Liane schwingenden Tarzan.

Das hier ist der erste Eintrag einer kleinen Reihe! Ich werde nämlich Schritt für Schritt von Lisa´s und meiner Reise erzählen!

Lisa kam am Donnerstagnachmittag an und damit sie keine falschen Vorstellungen von unserer gemeinsamen Zeit in Ecuador bekommt, nämlich das sie Urlaub machen könnte, setzte ich sie gemeinsam mit Conna (einem anderen Freund aus Deutschland, der mal eben für 6 Wochen vorbeikam) und Karo, eine Mitfreiwillige, in den Nachtbus von Quito nach Lago Agrio. Nach einem kleinen Missverständnis zwischen Conna und mir saßen wir im richtigen Bus, der mich vom Bequemheitsgrad noch nicht so überzeugte. Hätte ich das mal als Anzeichen für unsere weiteren Nachtfahrten gesehen... Der Busfahrer machte aus einer 8 stündigen Busfahrt, mal eben 6 einhalb Stunden und so saßen wir viel zu früh vor einem verschlossenen Hotel in Lago Agrio und warteten auf Frühstück und Guide. Macht aber nichts, dachten wir uns und behielten uns unsere gute Laune!
Von Lago Agrio ging es aber erstmal mit dem Bus zwei Stunden weiter bis zu einem Fluss.
Dort stiegen wir dann auf unser supertolles motorisiertes Kanu um, um weitere zwei Stunden bis zu unserer Lodge zu fahren.

Auf dem Weg zur Lodge hatten wir einfach schon sau Glück. Unser Guide, der Romulus hieß, wie wir am letzten Abend herausfanden, war ein total netter Typ, der sehr gutes Englisch sprach und vor allem aber diesen Teil der Erde in und auswendig kennt. Wirklich.
Denn er hat direkt mal bei der Hinfahrt eine Anaconda entdeckt, die ich in zehn Jahren niemals gesehen hätte. Anaconda hatte ich damit also schon abgehakt!
Damit aber noch nicht genug. Wir kamen kurze Zeit später zu dem Vergnügen eine rote Schlange zu entdecken (eigentlich hat nur Romulus die Schlange entdeckt), von der unser Guide so begeistert zu sein schien, dass ich der festen Überzeugung bin, etwas gaaanz besonderes gesehen zu haben.

Unser Haus in unserer Lodge Unser Kanu und unsere Reisegruppe! Anaconda sagt Hallo..

Wie schon gesagt 2 Stunden ging unsere Fahrt bis zur Lodge und in dieser Zeit bekamen wir schon einen ziemlich guten Eindruck von der Natur.
Ich persönlich muss sagen, dass ich gar nicht so von der Natur überwältigt war. Das lag aber bestimmt nicht daran, dass die Vielfalt der Pflanzen, Bäume, Geräusche oder Gerüche enttäuschend ist, sondern einfach daran, dass ich es gewohnt bin, tausend verschiedene Arten von Bäumen und Pflanzen zu sehen. Und zwar jeden Tag, wenn ich aus meinem Zimmerfenster schaue.
Nichtsdestotrotz war die Atmosphäre einzigartig und die Vielfalt beeindruckend.
Ich sitze hier neben meiner besten Freundin Lisa aus Deutschland, was einfach eh schon absolut verrückt ist. In einem Kanu. In Ecuador. Im Dschungel. Ich höre die Brüllaffen, die wirklich so unglaublich laut sind, sodass sie 100 von Metern entfernt auf irgendwelchen Bäumen vor sich hinbrüllen und ich denke mir schreit gerade jemand ins Ohr. Ich rieche die verschiedensten Gerüche angenehm und unangenehm der Pflanzen und Bäume um mich herum. Ich sehe eine Artenvielfalt von Bäumen und Pflanzen, die auf der Welt einmalig ist. Ich sehe kleine Kapuzineräffchen, ein am baumhängendes Faultier, graue und rosane!! Flussdelfine. Ich sehe Spinnen und Ameisen an die ich in meinen schlimmsten Träumen denke. Das alles ist unglaublich interessant. Und beeindruckend.

Ein Faultier Ameisenangriff Eine andere Art mit der man Wunden schließen kann   Ein bisschen mystisch oder?



Ich muss auch wirklich nochmal sagen: Wir hatten einfach ein Riesenglück mit unserem Guide. Er konnte wirklich alle möglichen Tiere nachmachen, sich mit Vögeln unterhalten und ein Kapuzineräffchen dazu bringen uns empört anzuschauen, während es die Arme in die Seiten stämmt.
Der wütende Affe
Die meiste Zeit verbrachten wir eigentlich in unserem Kanu, da man von den Flüssen die Tiere aus am Besten sehen kann und einen guten Eindruck von der Natur bekommt. Aber wir saßen eben nicht die ganze Zeit im Kanu, sondern machten auch eine Wanderung bei Tag und bei Nacht.
Am Tag zeigte Romulus uns wie man mit Harz von einem Baum Feuer machen kann, falls wir mal im Dschungel verloren gehen sollten und gab uns Pflanzen zum Essen, die eine medizinische Wirkung haben. So schmeckten die auch. 

Lecker lecker Medizin.
Wir wurden in die Artenvielfalt der Ameisen eingeweiht. Ich weiß, dass hört sich jetzt "total spannend" an, aber ihr habt ja keine Ahnung, was es alles für Ameisen gibt! Ameisen, die Blätter tragen, die dreifach so groß sind wie sie selbst oder Ameisen, die man statt Faden oder Tacker zum Schließen von Wunden verwenden kann.
Bei unserer kleinen Nachtwanderung, ich hatte natürlich meine Taschenlampe in der Lodge vergessen, begegneten wir Käfern, die wie kleine Goldklumpen aussahen, riesigen Spinnen und klitzekleinen Fröschen.

Am letzten Tag war ein Ausflug zu einem im Dschungel lebenden Stamm geplant. Ich habe mir schon Sorgen darum gemacht, dass die bestimmt so eine Show für die Touris veranstalten würden. Ach, hätte ich mir meine Gedanken doch für etwas anderes aufgehoben. Denn: In der ganzen Comunidad waren alle Männer stock besoffen, als wir Mittags um 12 ankamen. Anscheinend gab es am Tag davor eine kleine Fiesta, die bis am nächsten Morgen noch nicht zu Ende war.
Machte aber nichts. Wir machten also Yucabrot mit einer Frau (nein die war nicht besoffen) aus der Comunidad und aßen dazu Thunfischsalat. Später badeten wir im Fluss und nach der kleinen Abkühlung probierten wir noch die Blowpipe aus. Ein ziemlich langes Rohr, in das man fest reinpusten muss, um den Pfeil auf die Zielscheibe oder gegebenenfalls auf die gewünschte Beute zu zielen. Beim ersten Versuch gings daneben, aber beim zweiten traf ich und das gar nicht schlecht!
Den Besuch beim besoffenen Schaman sparten wir uns und genossen stattdessen den Sonnenuntergang in der Laguna Grande.

Lisa und ich vor einem riesigen riesigen Riesenbaum Die Truppe zusammen! Joshua an der Liane hängend fotografieren :) Yucca reiben!

Tja und am Montag ging es dann auch schon wieder zurück nach Quito. Ich musste mich vom Conna verabschieden und zusammen mit Lukas und Joshua und Joshuas Mutter Miriam übernachteten wir in einem Hostal in Quito bevor wir uns am nächsten Tag in die Sierra auf 3500 Meter Höhe begeben haben!
Lukas und Joshua sind zwei Jungs aus München, die wir während unserer Dschungeltour kennengelernt haben und die gerade eine Südamerikareise machen. Mit den beiden und Joshuas Mutter, die auch Ecuador erkundet, sind wir dann noch weitergereist!

Tarantula im Essensraum Lisa und ich Naturtattoos für 8 Tage! Mit dem Kanu unterwegs... Karo und ich vor dem Riesenbaum Und noch einmal die Anaconda Lisa und ich

 

Und hier noch ein paar andere Fotos von Conna und mir, Paulito in der Hosteria meines Gastbruders Stalin und ein Bananenessender Tukan

Danke für die beste Überraschung !! Paulito, das süßeste Baby der Welt. Buen provecho!

Sonntag, 06.04.2014

Vamos a jugar Carnaval!

Von nach Kaugummi riechendem rosa Schaum, Eiern auf dem Kopf, Mehl im Gesicht und nassen Klamotten bei gefühlten 10 Grad!

Eigentlich sagt diese Unterüberschrift schon fast alles über mein Karneval hier aus, außer das die Geschichte vom blauen Vogel fehlt und mein verzweifelter Versuch nach Hause zurückzukehren.

Aber mal ganz von vorne!

Freitagmorgen ging es los. Meine Schüler mussten noch kurz ihr Examen in Englisch schreiben, was wirklich nur so mas ó menos ausfiel, da sie einfach nicht gelernt hatten, aber das ist ein anderes Thema.

Dann saß ich auch schon mit Lisa und Basti im Bus nach Quito: Unser Ziel Guaranda! Anscheinend soll Guaranda DIE Karnevalsstadt in der Sierra sein, zumindest hatten wir alle dieses Gefühl, denn die Reaktionen der Leute bei der Erwähnung Guarandas ging von einem wissenden Schmunzeln über minutenlange Vorträge wie toll Karneval dort doch sein sollte.
Erstmal erzähle ich aber von meiner Reise nach Guaranda, denn dort passierte etwas, was durchaus erwähnenswert ist:
Basti hatte Besuch aus Deutschland, Jonas, den wir am Busterminal in Quitos Süden treffen sollten. Dort war er zusammen mit Kira, auch eine Freiwillige von einer anderen Organisation, die mit Basti zusammen zur Schule gegangen ist. Wir wussten, dass noch eine Freundin von ihr dabei war. Hätte ich von Anfang an gewusst, wer dieser Besuch sein würde!
Da gehe ich nämlich im Terminal an der Warteschlange vor dem Klo vorbei und wen treffe ich? Maja Artmann. Maja hat mit meiner Schwester, Christina, Abitur gemacht und ist die große Schwester einer Mitabiturientin von mir! Ich sprach sie total verwundert an und wir sprachen kurz miteinander bis wir letztendlich darauf kamen, dass sie die Freundin von Kira ist!
Mal wieder habe ich jemanden mir Bekanntes aus Gauting in Ecuador getroffen und dann haben wir durch Zufall auch noch das Wochenende zusammen verbracht.

Guaranda liegt auf einigen tausend Metern in der Sierra Ecuadors und ist nur für Karneval für Touristen interessant. 

Die Hotels machen dort ziemlich sicher auch den Gewinn des Jahres, denn es ist wirklich alles ausgebucht, selbst die ranzigsten Hotels dort. Wir hatten aber noch ein bisschen Glück und haben ein einigermaßen gutes Hotel gefunden, auch wenn wir uns die Betten teilen mussten, was bei der Kälte aber gar nicht schlimm war.

Am Terminal in Quito habe ich nicht nur Maja getroffen, sondern wir haben auch noch Jungs aus Quito kennengelernt, die jedes Jahr für Karneval nach Guaranda kommen und mit denen wir zusammen Karneval gefeiert haben.

Samstag ging es dann auch schon los. Wir statteten uns mit Sprühdosen aus, die jeder Zweite in der Hand hatte und es dauerte nicht lange bis der Schaumkrieg los ging. Wir sprühten wie die Wahnsinnigen und nach und nach kamen auch die anderen „Zutaten“ dazu. Erst wurde jeder mit Mehl und Farbpulver attackiert bis ich letzten Endes rohes Ei samt Eierschale in den Haaren kleben hatte. Eigentlich ist das Ganze ziemlich bescheuert, denn es war in Guaranda arschkalt, regnerisch und nach und nach stanken unsere Klamotten. Aber der Gedanke daran sich gegenseitig Eier auf den Kopf zu hauen, ist schon lustig.

Julian und ich Die Karnevaltruppe

Sonntagmorgen ging es für uns erst nach Salinas. Salinas ist ein kleines Dorf, eine Stunde von Guaranda entfernt und deshalb so interessant, weil es eines der besten Beispiele für den einheimischen Wirtschaftstourismus ist. 
Die Bewohner Salinas stellen mittlerweile selber Käse und Schokolade her. Und was für einen Käse und was für eine Schokolade! Sehr, sehr lecker!
Dass es dazu kommen konnte, verdankt Salinas einem Schweizer, der den Einheimischen mit Unterstützung verschiedener Organisationen, Stiftungen und europäischen Ländern, beigebracht und erklärt hat, wie man guten Käse herstellt und wozu sie ihre Kakaobohnen nutzen können.
Wir kauften also Käse und Schokolade ein und machten dann noch eine kleine Wanderung durch die Landschaft der Sierra.

Guaranda Salinas

Danach wurde es aber wieder  ernst und Karneval 2.0 stand vor der Tür. Dieses Mal endeten wir mit Schaum in Haaren und Klamotten in einer Menge wild feiernder Menschen vor einer riesigen Bühne. Es dauerte nicht lange bis wir ein Teil dieser Menge wurden und leider Gottes auch nicht lange bis wir den blauen Vogel kennenlernten. Auf Spanisch pajaro azul genannt, steht er in Zeiten des Karnevals für keinen Vogel, sondern für ein ecuadorianisches Teufelszeug, das nicht wenig Alkohol enthielt.

Am nächsten Morgen wollten Lisa und ich um 3 Uhr morgens den Bus nach Quito nehmen. Aus 3 Uhr wurde 8 Uhr und ich verrate jetzt schon mal, dass wir nicht Montags zu Hause ankamen.
Denn der Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung! Die Straße von Quito nach Los Bancos war nämlich durch mehrere Erdrutsche versperrt worden. Dies war nicht das erste Mal, dass das passierte, denn da die Regenfälle im März stärker werden, rutscht die Erde in meiner Gegend schon mal.
Es war nur einfach ein absolut doofer Zeitpunkt, denn Lisa und ich wollten einfach nur zu unseren Familien, um mit ihnen noch Karneval zu feiern!
Das Fazit der Geschichte: 2 Tage später kamen wir Mittwochs endlich daheim an und hatten Karneval natürlich verpasst. Aber so ist das nun mal gegen die Natur kann man doch nichts machen.

 

So das wars erstmal von Karneval!

Ich schreibe die nächsten Tage noch über meine Reise mit Lisa, um dann mal wieder auf den neuesten Stand zu kommen!

 

Liebe Grüße nach Deutschland!

Katharina

Montag, 24.02.2014

Politik mal anders!

-Letztendlich ist es doch so: Politik ist letzten Endes wie ein Spiel, entweder man gewinnt oder man verliert. Jetzt heißt es abwarten.- Marco Calle, (ehemaliger?) Bürgermeister des Cantóns San Miguel de Los Bancos, Pichincha, Ecuador 

 

Lange habe ich keine Zeit gefunden, um zu schreiben und euch zu berichten, dann finde ich endlich die Zeit, will den Eintrag veröffentlichen und: Alles gelöscht.

Versuch Nr. 2.

 

Ich habe ja in meinem letzten Blogeintrag schon die Kommunalwahlen erwähnt. Hier der passende Eintrag dazu.


Bevor ich aber anfange zu erzählen, will ich euch vorwarnen: Neutral über Politik zu reden, ist, denke ich, fast unmöglich, erst Recht über Politik in einem anderen Land, denn man hat immer seine eigene Meinung. Deswegen wird auch dieser Eintrag von meiner Meinung und vor allem von den Meinungen meiner Familie hier geprägt sein, denn sie haben Meine logischerweise stark beeinflusst.

 

Angefangen hat alles damit, als ich mit meinen Eltern in einem italienischen Restaurant in Baños saß und draußen Unmengen an Leuten vorbeizogen mit grünen Flaggen in den Händen und grünen T-Shirts am Körper auf denen stand: 35 PAIS! El cambio va! (35 Land! Der Wechsel geht voran!) und wir uns fragten: Was machen die  da? Ist das eine Demo? Und wenn ja wofür?

Zuhause angekommen fragte ich meine Gastfamilie, was es denn mit diesen Plakaten und der Demo auf sich hatte und sie sagten mir: Ach, das ist die Regierungspartei, die fangen schon mit dem Wahlkampf an für die Kommunalwahlen im Februar.

Mein Interesse war geweckt.

Noch viel größer wurde es allerdings, als ich ein paar Wochen später erfuhr, dass der Ehemann meiner Gastschwester Marlene, der Bürgermeister von Los Bancos ist und auch sich wieder aufstellen lässt. Das hieß für mich: Ich werde ganz nah dabei sein und natürlich für Marco Calle sein.

Familie ist eben Familie.

 

Bevor ich allerdings vom Wahlkampf und den Wahlveranstaltungen erzähle, ein bisschen etwas zum System:

In Ecuador ist es quasi Pflicht zu wählen. Das steht zwar nicht direkt im Gesetz, aber jeder Bürger kriegt einen Zettel, nachdem er gewählt hat und diesen braucht er für so ziemlich Alles: Um einen Kredit aufzunehmen, Arbeit zu finden usw. Wer nicht wählt muss eine sog. Multa zahlen, also eine Strafe, die ziemlich teuer werden kann.

Probleme mit der Statistik der Wahlbeteiligung gibt es hier also nicht.

Jede Partei hat bei den Bürgermeisterwahlen einen Bürgermeisterkandidaten und dann noch verschiedene Kandidaten für den Rat. In Los Bancos hat jede Partei 4 Ratsmitgliedkandidaten (Ratsmitglied= Concejal).

Jeder Bürger hat eine Stimme für seinen Wunschbürgermeister und 4 Stimmen für die Ratsmitglieder. Dabei ist es für die Kandidaten und ihre Partei wichtig, dass die Wähler „en plancha“ wählen. Das heißt, sie sollen alle Kandidaten einer Partei wählen und nicht an verschiedene Stellen Kreuze machen.

Während wir in Deutschland eigentlich einfach nur Parteien haben gibt es in Ecuador Partidos, also Parteien, und Movimientos, so etwas wie Bewegungen übersetzt, diese Moviemientos können lokal oder im ganzen Land vertreten sein. Jede Partei und jedes Movimiento hat auch seine eigene Nummer, an der man erkennen kann, ob es eine Partei, ein nationales oder eben ein lokales Movimiento ist.

Aber eigentlich gibt es zwischen ihnen bis auf finanzielle Unterstützung und ein paar kleinere, keine wichtigen gravierenden Unterschiede.

Die Partei Marco Calles ist ein lokales Movimiento und hat die Nummer 106, deswegen wird sie im Folgenden auch Lista 106 von mir genannt.

 

Nun aber genug von den ganzen Erklärungen, jetzt geht´s erst richtig los:

 

Die heiße Wahlkampfphase begann für mich an einem Samstagmorgen. Mit gelben Marco Calle T-Shirt und großer Lista 106 Fahne bestens ausgestattet ging es in ein Dorf am anderen Ende unsere Cantóns von dem ich noch nie gehört hatte.

Mein Ziel: Marco Calle endlich nun einmal persönlich kennenlernen, ihn reden zu hören und vor allem rauszufinden für wen und was ich hier eigentlich bin.

Im kleinen Autokorso ging es also in dieses mysteriöse Dorf, dessen Name mir partout nicht mehr einfallen will, und auf zum Motocross. Ja, ihr habt richtig gehört Motocross. Irgendwo im Nirgendwo haben Marco Calle und sein Team eine Strecke hergezaubert und die Fahrer der Umgebung für eine kleine Demonstration eines Motocross Turniers organisiert.
Ich war ganz schön beeindruckt, denn das ganze Dorf versammelte sich, um das Spektakel zu bestaunen. Und irgendwie war diese Wahlveranstaltung so anders als das was ich kannte.
Eine Stunde später hatte jeder Anwesende einen Ohrwurm vom Moderator und wusste ganz genau Bescheid: Die Strecke ist „terible“ und „difficil“, das alles hat Marco Calle organisiert, dieses Spektakel, wir sollen doch alle ja Lista 106 für unseren Amigo Marco Calle wählen und bitte nicht vergessen, dass nach dem Motocross ein leckeres Essen auf alle wartet, natürlich gesponsert von Marco Calle und seiner Partei.

Das hört sich jetzt ironisch an und so soll es auch sein, denn am Ende vom Tag habe ich Marco Calle wegen irgendwelchen Problemen immer noch nicht reden hören und klar war mir auch nicht für was ich da eigentlich bin. Also ging es abends nach Hause und meine Geduld wurde auf die Probe gestellt.


In der nächsten Zeit merkte ich dann auch, dass der Wahlkampf immer ernster wurde und irgendwann war es einfach unmöglich nach draußen zu gehen ohne Plakate, Fahnen, Banner von den Kandidaten zu sehen.

Los Bancos und Umgebung werden mit den Farben der Parteien verschönert, Häuser, Wände, Ställe, Zäune und Mauern in den Farben der Parteien angestrichen und schön groß der Wahlkampfspruch drauf platziert.

Aber dabei bleibt es nicht. Los Bancos verwandelt sich langsam aber sicher in ein Fahnenmeer der verschiedenen Parteien. Poster, Plakate, Banner werden aufgehängt, gerne auch mal verhängt oder überhängt und überall lächeln mich die Kandidaten an.
Autos verstecken ihre eigentliche Farbe unter Plakaten und Poster und entpuppen sich als Wahlkampfwerbemaschine.
Die Dörfer verschwinden unter einem überwiegenden gelb, grünen, manchmal noch blauen Fahnenmeer. Die Farben der drei größten Konkurrenten, vor allem aber gelb und grün.
Gelb ist eben die Farbe Marco Calles und Grün die Farbe der Regierungspartei und ihrer Kandidatin.


Die abendlichen Diskussionen in meiner Familie intensivieren sich. Es wird über die Stimmung im Pueblo (Los Bancos) berichtet, darüber spekuliert, welche Familie wohl für wen stimmen wird, wie die Zeichen stehen. Vor allem wird aber auch über die Chancen der Regierungsparteikandidatin gesprochen, unsere größte Konkurrentin. Anfangs tue ich mich schwer, fallen doch immer wieder so viele Wörter im Raum, die mir unbekannt sind, sprechen meine Gastgeschwister und ihre Ehepartner durcheinander und kenne ich die ganzen Namen doch gar nicht. Aber nach einigem Mühen, nachfragen bin ich mitten drin im Politikdiskussionsgetümmel und spekulieren.

Vor allem wird auch viel darüber geredet, was alles schlechtes über unser Movimiento gesagt wurde und welche Gerüchte grad die Runde machen. Es wird sich über die negative Kampagne der Regierungspartei aufgeregt, reden sie doch nur schlecht über andere, aber gar nicht darüber, was sie eigentlich erreichen wollen und wie wichtig es ist, dass wir uns davon nicht provozieren lassen. Von Bestechung und Betrug ist auch immer wieder die Rede, wer hat wen bezahlt und welche Geschenke werden gemacht, um Stimmen zu kaufen? Warum lassen sich Leute um registrieren, um hier in Los Bancos zu wählen, wo sie doch ganz woanders wohnen? Für mich ist das alles ein bisschen mysteriös und unvorstellbar dieses Gerede von Bestechung und Betrug.

 

Eigentlich dachte ich, dass ich so langsam aber sicher wüsste wie Wahlveranstaltungen hier ablaufen. Nur hatte ich da den Autokorso noch nicht miterlebt. Wirklich ihr müsst euch das einfach mal vorstellen:

Um 11: 00 Uhr geht es los nach Mindo. Denn dort treffen sich alle, die letzten Vorbereitungen werden getroffen, Autos mit Bannern geschmückt, Fahnen an die Insassen verteilt, die Reihenfolge besprochen und auf die letzten Nachzügler gewartet.
Endlich geht es los. Ich sitze im Auto von Aracelli mit Jorge und Gaby, halte meine Fahne auf dem Fenster und bin gespannt.

Wir drehen unsere Kurven durch Mindo mit lautem Gehupe und den Marco Calle Songs (ja, im Ernst, es gibt extra Marco Calle Songs), sodass auch der letzte Einwohner oder Tourist Mindos weiß, dass wir hier unterwegs sind und dass am 23. Februar Lista 106 gewählt wird. Am Anfang stellt sich der Autokorso noch als ein wenig holprig heraus, da es schwierig ist mit 200 Autos nah hintereinander fahrend keinen Stau zu verursachen, aber nach leichten Anfangsschwierigkeiten kommt unsere Karawane richtig in Schwung. Durch die ganzen kleinen Pueblos an der Hauptstraße fahren wir hupend und Fahnen wedelnd durch.

Unser Ziel: So laut wie möglich zu sein. Huuuup Huuup Hup Hup Hup macht unsere Autohupe im Chor mit 200 anderen Autohupen. Mir pfeifen die Ohren.

Am Ziel angekommen: Wieder irgendein mir unbekanntes und unbenanntes Dorf, dass aber relativ groß scheint, erwartet uns eine böse Überraschung: Die Regierungspartei verstellt die Straße, wir können unsere Karawane nicht durch die Hauptstraße fortsetzen und unsere Autohupkonzert nicht in voller Länger vorzeigen. Vor allem ist das ein bisschen unfair, denn eigentlich war es so abgesprochen, dass sie am Vormittag ihre Kampagne machen und wir am Nachmittag unsere Chance haben. Aber macht nichts, einen kleinen Umweg fahrend kommen wir an unseren Konkurrenten vorbei und mir wird auf einmal schlagartig bewusst wie ernst und schmutzig Politik und Wahlkampf doch sein kann: Unsere Blicke werden durch grüne Fahnen stark eingeschränkt und ein Buh- und Pfeifkonzert versucht sich daran unser Autohupkonzert zu übertönen, ein echtes Battle. Unschön wird es dann als Schimpfwörter von den grünen Tshirt Trägern fallen und auch die ein oder andere unfreundliche Handbewegung. Aber unser Motto lautet: Ruhe bewahren.

Weiter oben stehen wir dann im strömenden und nie endenwollenden Nieselregen  und bestaunen mal wieder das Motocross. Danach schwirren mir wieder die Ohren vom Moderator und nach dem kostenlos Essen, gesponsort von Marco Calle und seiner Partei geht es nach Hause.

Dieses Mal höre ich übrigens Marco Calle kurz, kann aber nicht alles so gut verstehen. Doch das macht alles nichts mehr, denn meine Familie hat mir mittlerweile die Wahlpunkte erklärt, die sich mit allen anderen Parteien schon ziemlich ähneln. Aber das ist ja auch verständlich.

 

Abends gehen die Diskussionen meiner Familie weiter, ich lerne neue Leute kennen und erkundige mich viel über die verschiedenen Parteien und ihre Kandidaten. Ohne es zu merken werde ich in diesen Wahlkampfwahnsinn gezogen. Katharina ist auf einmal mittendrin anstatt nur dabei.

 

Am Donnerstag vor den Wahlen geht es zur Cierra de la Campaña, zur Schließung der Kampagne unseres Movimientos.

Das wird die letzte Wahlkampfveranstaltung sein, denn in Ecuador ist es nach 24:00 Uhr an diesem Donnerstag bis zum Sonntag, dem Wahltag, streng verboten noch weiter Wahlkampf zu machen. Wer dies tut und sei es nur auf der Straße zu sagen, dass man doch für den oder den wählen soll, kann angezeigt werden. Das bedeutet mucksmäuschenstill sein, aufpassen was man sagt, abwarten und Tee trinken.

Die Cierra de la Campaña beginnt mit der längsten Autokarawane die ich jemals gesehen habe. Unmengen von Autos, kleinen LKW´s und 9 Reisebusse machen sich auf die Suche nach ihrem Platz in der Karawane. Es werden Tshirts, Lollies, Fahnen, Bahner und zur Freude aller Kinder und meiner Pfeifen verteilt.  Diese Autokarawane ist ein absichtlich verursachter Stau vergleichbar mit dem rappelvollen Autobahnen zu Ferienbeginn in Deutschland.

Irgendwann geht es dann los, ich sitze mit meiner rosa Trillerpfeife, meinem gelben Shirt und meiner riesigen Fahne auf der Rücksitzbank unseres Autos und bin bereit: Der Kampf geht los. Wir drehen unsere Kurven durch Los Bancos und Umgebung und ich pfeife wie eine Gestörte, versuche die Musik der anderen Autos und die Hupen zu übertonen und kann irgendwann das Pfeifen in meinen Ohren mit dem Pfeifen aus meiner Pfeife nicht mehr unterscheiden.

Nach einigem unnötigen CO2 Verbrauch geht es in die Veranstaltungshalle: Ich sehe ein Meer von Menschen in gelben Tshirts und fühle mich in ein Fußball- oder Basketballstadion versetzt: Ein Meer von Fahnen und im Chor singenden Menschen. Die Bühne ist voller gelber Lista 106 Plakate und ich bekomme nun endlich das auf das ich so lange warten musste: Die Rede von Marco Calle.

Es ist eine feurige, leidenschaftliche Rede von einem Menschen, der für die Politik lebt, der noch einmal gewählt werden will. Es geht darum die Wasserversorgung zu verbessern, 24 Stunden 7 Tage die Woche fließend Wasser zu haben, um die Verbesserung des Müllabfall- und -entsorgungsystems, die Zusammenarbeit mit Senoren und Menschen mit Behinderungen fortzuführen und konsequent den Lebensstandard der Menschen zu verbessern. Es braust ein tobender Applaus auf, ein gelbes Fahnenmeer weht durch die Halle und die Menschen singen im Chor: Uno, Dos y Tres Marco Calle otra ves! Eins, zwei und drei, Marco Calle noch einmal!

Die Anzahl der Menschen, die hier gekommen sind ist doch beeindruckend und nach den Auftritten der Artisten fahren wir ein wenig beruhigter nach Hause. Jetzt heißt es abwarten!

 

Sonntag. Wahltag.

Am Sonntag ist es nun endlich so weit: Wahltag! Es wird Zeit, denn die Anspannung stieg in den letzten Tagen immer mehr und nun bin ich froh heute Abend das Ergebnis zu wissen und dann hoffentlich feiern zu können. Na, hätte ich mich mal nicht zu früh gefreut!

Mir wird erklärt, dass bis um 17:00 Uhr jeder Zeit hat zu wählen, dann die Stimmen ausgezählt werden und wir vielleicht schon eine Stunde später das Ergebnis wüssten.

Soweit so gut.

Abends um 18:00 Uhr stehe ich im zum Platzen drohenden Wohnzimmer von Marco Calle mit ganz vielen anderen Leuten, die mich teilweise kennen, ich sie aber noch nie gesehen habe. Ich komme mir zwischenzeitlich wie auf einer Familienfeier vor, wo der Freund von dem Freund von dem Bekannten auf dich zukommt: Mensch, du bist aber groß geworden! Und das Gehirn im Kopf zu rattern anfängt, wie doch jetzt diese Person heißt.

 

Die Ergebnisse der großen Städte werden im Fernsehen verkündet.

Jubel.

Erleichterung.
Freude.

Ich verstehe nicht ganz, was passiert ist, aber nach einigem Hin- und Herfragen finde ich heraus, dass in all den großen Städten, Quito, Cuenca, Guayaquil, Santo Domingo die Regierungspartei verloren und eine andere gewonnen hat. Bitter für den Präsidenten.

Ich freue mich einfach mal mit, nur um meiner Angespanntheit ein wenig Luft zu lassen und warte auf die Ergebnisse unseres Cantóns.

 

Auf einmal wird viel telefoniert, hin und her gerannt, Menschen kommen und gehen, ich verliere meine Familie aus den Augen und bin froh auf meinem Stuhl zu sitzend das Geschehen einfach mal beobachten zu können.

Aufschrei.
Freude.

Erleicherung.

Applaus.

Es kommt ein Anruf durch, dass wir die ersten beiden Urnen in Los Bancos gewonnen hätten, ein gutes Zeichen, so kann es weitergehen.

Als um 20:00 Uhr immer noch nichts wirklich klar ist, kippt so langsam die Stimmung, die Nerven liegen blank. Ich sitze immer noch auf meinem Stuhl. Mir dämmert so langsam, dass das hier doch eine kompliziertere Veranstaltung werden könnte.

Telefonklingeln.
Verwirrung.
Fragezeichen.

Ein anderer Anruf sagt, dass wir in Mindo verloren hätten, das wäre bitter, denn Mindo ist sehr wichtig. Das Verwirrende ist nur, dass jemand total Unbekanntes gewonnen hat, das kann nicht sein. Es ist die Rede davon noch mal von Vorne anzufangen.

Irgendwann kommt Marco Calle dazu, sichtlich angespannt und gestresst und fordert alle auf Ruhe zu bewahren und abzuwarten.

 

Um 22:00 Uhr dann endlich das Ergebnis:

Freude.
Tränen.
Applaus.
Wir haben gewonnen, ja wir siegen! Viva Marco Calle.

Die Menschen in meiner Umgebung freuen sich, liegen sich in den Armen, Tränen werden vergossen und ich? Ich sitze auf meinem Stuhl und schaue wie ein begossener Pudel in der Gegend rum, denn ich weiß absolut nicht wie ich mich verhalten soll. Endlich erblicke ich Arita und umarme sie spontan.


Verwirrung.


Auf einmal werden Stimmen laut, dass noch gar nichts klar wäre, im Radio hört man, dass die Regierungsparteikandidatin gewonnen hat und ich verstehe die Welt nicht mehr. Wie kann das nur so unübersichtlich sein?

 

Eine Stunde später fahren wir dann alle bedrückt nach Hause, nachdem sich Marco Calle und sein Team wie die anderen Kandidaten nach Quito aufgemacht haben, um dort das Ergebnis zu erfahren, denn alle Urnen und Akten werden dorthin gebracht.

 

Am nächsten Morgen halte ich die bedrückende Stimmung in meinem Haus kaum noch aus, es heißt, dass Sulema, die Regierungsparteikandidatin gewonnen hätte. Aber irgendwas ist gestern passiert, etwas ist schief gelaufen, da sind sich alle einig.

Auch ich habe den gestrigen Abend in mysteriöser Erinnerung, denn es war so unübersichtlich. So schrecklich verplant. Dabei war ich noch beeindruckt wie ordentlich und detailliert der Gang zur Wahlurne hier doch ist.

 

In den nächsten Tagen wird klar, dass hier etwas nicht sauber verlaufen ist. Wahlakten sind nicht sofort nach Quito gebracht worden, sondern fehlen und werden erst später gefunden, es gibt mehr Stimmen als Wähler in einigen Urnen und das Wort Betrug fällt sowieso in jeder Diskussion.

Ich bin entsetzt, enttäuscht, traurig und erschüttert: Ich habe eine Wahl miterlebt und möglicherweise wurde hier ganz böse betrogen?

Ich möchte in diesem Zusammenhang wieder betonen, dass ich mich schwer tue, dass zu beurteilen, was nun die Wahrheit ist, sondern kann nur wiedergeben, was ich höre und sehe.

Das Schlimmste ist allerdings, dass die Leute sagen, dass Marco Calle nun mal keine Chance mehr hat, denn die Regierungspartei hat nach jetzigem Stand gewonnen und wird das nicht mehr ändern wollen. Die Menschen sollten auf die Straße gehen, sollten demonstrieren, aber man weiß ja, was dann passiert. In Quito sitzt die Regierung, da haben andere keine Chance.

Unabhängig ob das jetzt alles so der Wahrheit entsprechen mag. Ich finde es traurig, dass es Menschen in diesem Land gibt, die so denken und die an die Fairness, die in der Politik bis zu einem gewissen Grad doch herrschen sollte,  nicht glauben.


Nach 2 Wochen steht jetzt nun fest: Sulema hat gewonnen. Der Versuch Marco Calles, die Wahlurnen zu öffnen und erneut auszählen zu lassen, ist gescheitert, denn es müssen immer zwei Kandidaten darum bitten. Sulema sagt aber, dass sie das nicht möchte, denn sie hat gewonnen. Schade, dass sie diesen bitteren Beigeschmack des Wahlbetrugs bei ihrem Sieg nicht aus der Welt schaffen möchte. Die anderen Kandidaten möchten sich in diesem Kampf nicht einmischen, sondern halten sich lieber raus, da sie eh verloren haben. Mit einer Differenz von 22 Stimmen gewinnt nun Sulema und das muss man nun akzeptieren. So spielt die Politik.

 

Ich kann abschließend zum Wahlkampf sagen, dass ich es faszinierend finde so viele junge Menschen für ihre Parteien kämpfen und arbeiten zu sehen, die Motivation der Menschen für Politik mitzuerleben und davon angesteckt zu werden und mir darüber bewusst zu werden wie unterschiedlich Wahlkampf doch sein kann.

Stellt euch doch einfach mal vor: Der CSU, CDU, FDP oder SPD Spitzenkandidat organisiert einen Autokorso und Trillerpfeifen lässt LKW´s und Pick Ups mit seinem Gesicht, seinen Plakaten und seiner Partei vollkleben und fährt damit laut pfeifend und singend durch Gauting oder München oder Hintertupfing. Die Menschen auf den Straßen bleiben stehen und sehen einen nett lächelnden Anzugträger mit der typischen Dreieckhandgeste oder den gefalteten Händen und darunter der jeweilige ernste Wahlspruch.

Ich muss bei diesem Gedanken innerlich lachen, passt es doch so überhaupt nicht zur deutschen Politik und ihren Parteien oder aber auch zu den Bürgern und doch würde es die Stimmung in Deutschland sicherlich mal ein wenig auflockern.

 

Andererseits muss ich auch zugeben, dass mich der Anblick einiger Wahlplakate hier doch zum Nachdenken angeregt hat, ob die das hier wirklich ernst meinen.

 

Politik kann so verschieden sein und so attraktiv für junge Leute, für die jüngere Bevölkerung. Politik kann auch so viel Spaß machen. Da sollten wir mal drüber nachdenken.

 

Ich bin sehr froh in einem Land zu leben, in dem ich sicher sein kann, dass die Wahlen fair ablaufen und wenn nicht, die Sache bis ins kleinste Detail aufgeklärt werden würde.
ich bin froh in einem Land zu leben, in dem die Regierung sich nicht ständig zeigt, in der man ihr und ihrer Propaganda nicht ständig im Alltag begegnen muss, sondern das Gesicht Angela Merkels in den Nachrichten sieht, aber nicht in irgendwelchen Werbungen.

 

Mir haben diese Wahlen hier in Ecuador gezeigt, dass ich Politik einfach interessant finde, haben mir bewusst gemacht, dass es Betrug und Korruption gibt, wie sie funktioniert und hoffe, dass für die Menschen, die in diesem Cantón leben, die ganzen, vielen Wahlversprechen Wirklichkeit werden, denn das würde doch noch einmal einiges verbessern.


Das war´s erst einmal von mir, ich muss euch noch von Karneval berichten, von der Eier-Mehl-Schaum-Farbpulver Haarkur und den Fortschritten unseres Spielplatzes.

Ich hoffe, dass ich das teilweise doch noch vor meiner Reise hier schaffe und wenn nicht, dann entschuldigt mich, aber es gibt hier so viel zu erleben.

Am Donnerstag kommt nun endlich Lisa, ganz verrückt, dass sie nun so bald bei mir sein wird. Mit ihr, Karo und Conna (ein Freund aus Deutschland, der für 6 Wochen in Ecuador ist und mit der Anna rumreist und der mich überrascht hat) geht es erstmal 4 Tage zu den Kaimanen, Piranhas und Anakondas in den Dschungel bevor Lisa und ich uns auf 3700 Meter begeben, um einen Kratersee eines aktiven Vulkans zu begutachten.


Fühlt euch gedrückt, ich vergesse euch nicht und denke an euch!

 

Katharina

 

P.S Fotos kommen, wenn das Hochladen wieder funktioniert! :)

Samstag, 15.02.2014

Vieles, vieles Neues!

Meine Lieben im frühlingshaften Deutschland!

Endlich komme ich mal wieder zwischen all dem Alltagsstress ein wenig zum Schreiben!

Ich mache gerade eine Pause vom Schulaufgaben erstellen, denn nächste Woche haben meine Schüler "Examenswoche". Das heißt, dass sie in dieser Woche jeden Tag Prüfungen in den Schulfächern haben. Von Mathematik bis Kunst ist da alles dabei, also natürlich auch Englisch!

Das ecuadorianische Schulsystem ist in diesem Bezug nämlich ein wenig anders als das Bayrische.
Während die Schüler in der Grundschule in den verschiedenen Fächern Proben (ich meine mich erinnern zu können, dass das unangekündigte Tests sind?) und im Gymnasium in der Unter- und Mittelstufe pro Halbjahr zwei Schulaufgaben plus Exen schreiben, haben die Schüler hier in Ecuador eine Examenswoche am Ende vom Schuljahr. Während dem Jahr haben die Lehrer Möglichkeiten Noten für Mitarbeit, Gruppenarbeit, Heftführung, unter anderem auch Hausaufgaben und eben Pruebas (kleine unangekündigte Tests, verlgeichbar mit Exen) zu geben. 
Dieses Jahr zwei Wochen vor den Ferien haben die Lehrer eine Woche oder wenn nötig zwei Wochen Zeit Examen für die Kinder zu stellen. Die Examen zählen 20% im Vergleich zu den restlichen Noten zur Gesamtnote.

Ich hoffe, dass meine Schüler ihre Vokabeln und das bisschen Grammatik, welche wir seit Monaten üben, lernen, sodass sie gute Noten erreichen können!

Examenswoche bedeutet eben auch, wie ich oben schon erwähnt haben, dass die Ferien näher rücken. Im Fall der "Costaregion" sind das die großen Ferien: Der ganze März und der ganze April sind frei!
Denn in Ecuador sind die Ferien in der Sierra und Costa aufgrund der Regenzeit und der Regenmonate unterschiedlich. Wir haben hier den März und April frei und die Sierra im Juni und Juli (auch wenn da schon Sommer ist).
Das bedeutet auch, dass das neue Schuljahr im Mai beginnt und ich mitten im Schuljahr wieder nach Hause fahren werde.

Schulferien bedeutet auch Auszeit von der Schule, aber keine Auszeit von der Arbeit! Da wir laut unserem Vertrag nur 20 Urlaubstage haben, müssen wir auch in den Ferien arbeiten. Bei mir schaut das folgendermaßen aus:
Mit den anderen Freiwilligen meines Projekts werden wir versuchen unseren Spielplatz aus Bambus in den Ferien fertigzustellen. Dazu muss ich auch noch einmal mehr schreiben, aber das kommt in einem einzelnen Blogeintrag. :)
An den anderen Tagen arbeiten wir in einem Feriencamp mit, welches vom Municipio (Verwaltung) organisiert wird. Das Tolle daran ist, dass wir nichts Großes planen und organisieren müssen, lediglich welche Aktivitäten, ob Bewegungsspiele oder Basteleien, wir mit den Kindern machen wollen. Das ist ein schönes Gefühl, einfach loslegen zu können und mit hoffentlich vielen Kinder ganz viel Spaß zu haben!
Und dann kriege ich ja auch noch von Lisa und Christina Besuch und werden mit ihnen zusammen Ecuador weiter erkundigen!

Um das Thema Schule und Arbeit abzuschließen noch eine letzte Neuigkeit. Im Moment organisiert das Ministerium für Bild eine Umstellung im ecuadorianischen Schulsystem. Der Plan ist die ganzen vielen kleinen Schulen, wo zum Teil nur ein Lehrer für 15 bis 30 Kinder zuständig ist, zu schließen und die Kinder von mehreren kleinen Schulen auf eine größere Schule zu schicken.
Ich persönlich finde diese Idee sehr gut, da sich die Qualität der Bildung enorm steigern würde. Es wäre möglich, dass ein Lehrer eine Klassenstufe unterricht und nicht 3 gleichzeitig, dass kreativere und spielerischere Arbeitsmethoden angewendet werden und die Kinder auf lange Sicht effizienter lernen würden.
Allerdings ist es bis jetzt noch immer nicht sicher, welche Schulen jetzt geschlossen werden, auf welche Schule die Kinder gehen würden und ein ganz wichtiger Punkt: Wer die Kosten für den Transport zu einer weiterwegliegenden Schule zahlen würde. Denn nicht alle Eltern können es sich leisten jeden Tag 0,50 ct für die Fahrt zur Schule und 0,50 ct nach Hause für ein Kind zu zahlen, da sie ja meist auch noch mehrere Kinder haben. 
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was am Ende rauskommt, ob eine von meinen beiden Schulen geschlossen wird (das ist höchstwahrscheinlich) und ob alles gut geht.

Was habe ich die letzten Wochen so gemacht?
Die letzten Wochenenden war ich zu Hause, denn zur Zeit ist ganz schön was los!
Da in ganz Ecuador am 23.02. Kommunalwahlen sind, sind die Parteien und Movimientos immer unterwegs, um für sich zu werben. 
Der Ehemann einer meiner Gastschwestern ist der Bürgermeister von Los Bancos und tritt auch wieder als Kandidat an. Dadurch wird in meiner Familie viel über die Kandidaten diskutiert, an Wochenenden zu den Parteiveranstaltungen gefahren und sowieso ganz Los Bancos spielt wegen diesen Wahlen verrückt. Für mich ist das alles höchst interessant und ich versuche jeden Tag ein bisschen mehr über die Wahlen, die Kandidaten, den Kampf um die Stimmen zu verstehen.
Wenn ihr euch jetzt fragt, ob der Wahlkampf mit dem in Deutschland zu vergleichen ist? Ein ganz klares Nein! Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich eher bei einem Fußballspiel bin als auf Wahlkampftour! 
Zum Beispiel waren wir letztes Wochenende Teil eines Autocorsos (bestimmt 130 Autos) für die Lista 106 und eben meinem Familienmitglied Marco Calle. Die Bürgermeisterkandidaten schmeißen für die ganzen Dörfer Partys, spendieren Essen usw.
Aber auch dazu mehr in einem einzelnen Blogeintrag!

Last but not Least, am Mittwochabend begann unser zweites Zwischenseminar. Wir trafen uns in der Nähe von Latacunga, mitten in der Sierra, am Fuße des Cotopaxi und des Berges Illinois, um über Politik, die Rolle der Frau, unsere einzelnen Projekte und vor allem unsere Probleme bei der Arbeit oder in der Familie zu reden. Am Freitag haben wir dann noch eine 3 stündige Wanderung auf einen Berg in der Nähe gemacht und die Aussicht genossen.
Das Seminar war eine schöne Gelegenheit alle Freiwilligen mal wieder zu sehen und hat mich noch einmal so richtig motiviert für die nächsten 6 Monate.

Der Cotopaxi mit Schnee Der Cotopaxi- aber wo ist der Unterschied?

Die ganze Truppe! Die Los Bancos Crew- unzertrennlich!! Die Chicas- Elena, Ellen und ich!

Ich sehe den Beginn eines neuen Schuljahres im Mai auch als Neuanfang, denn ich werde sicherlich besser vorbereitet in meinen Unterricht gehen und werde die Ferien dazu nutzen neue Kraft zu sammeln, um so viel wie möglich mit nach Hause zu nehmen.

Jetzt verabschiede ich mich von euch, denn ich muss weiter Examen schreiben und treffe später die Anna in Mindo. Das ist lustig, dass wir uns hier in Ecuador treffen, kennen wir uns doch aus Gauting, aus der Schule!

Ich hoffe euch geht es gut im warmen und gar nicht winterlichen Deutschland und schicke euch ecuadorianische Grüße! 

Montag, 03.02.2014

6/12 Challenge completed!

6 Monate bin ich nun schon in Ecuador. 
Ich habe mir nun mal etwas anderes überlegt als ewig lange Texte zu schreiben und hoffe, dass euch mein Video gefällt.
Vielleicht ist es eine Spur zu lang, aber ich konnte kein Foto mehr ohne gutes Gewissen löschen!

Viel Spaß beim Anschauen:

 

P.S Über Kommentare, Anregungen, Rückmeldungen freue ich mich immer! 

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.